Konzert 3 - Peter Kofler

Erleben Sie das dritte Orgelkonzert am Dienstag, den 20.07.2021 um 20:15 Uhr mit Peter Kofler (München). Programm hier online erhältlich.
Kartenvorverkauf erforderlich: online oder im c-punkt Münsterforum

 

Programm

 
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge e-Moll, BWV 548      

Georg Böhm (1661-1733)
Choralvorspiel über „Vater unser im Himmelreich“
 
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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sonate op. 65 Nr. 6 in d-Moll
1. Choral mit Variationen („Vater unser im Himmelreich“)
2. Fuga: Sostenuto e legato
3. Finale: Andante 

Charles-Marie Widor (1844-1937)
aus der 5. Orgelsymphonie:
1. Satz „Allegro vivace“ 

Camille Saint-Saëns (1835-1921)
Bénédiction Nuptiale, op. 9

Franz Liszt (1811-1886)
„Saint Francois de Paule marchant sur les flots"
(Bearbeitung Lionel Rogg)
 
Zum Programm
Das große e-Moll-Satzpaar BWV 548 zählt, ob seines Umfangs und seines technischen Anspruchs, zu den größten Orgelwerken Johann Sebastian Bachs. Die Entstehung wird auf zwischen 1727 bis 1731 datiert und könnte nach Christoph Wolff mit Bachs Verbindung zur Scheibe-Orgel der Paulinerkirche in Leipzig stehen, die eines der größten und besten Instrumente ihrer Zeit war. Vom frühen Bachforscher Spitta als „zweisätzige Sinfonie“ bezeichnet, beschreibt Albert Schweitzer beide Sätze als „so mächtig in der Gestaltung und mit so viel Härte verbunden mit ihrer Kraft, dass der Hörer sie erst nach mehrmaligem Hören fassen kann.“
Das protestantische Katechismuslied „Vater unser im Himmelreich“ geht auf die vor 1400 nachweisbare Melodie eines Tischsegens aus der Feder des Mönchs von Salzburg zurück. Nachdem die Böhmischen Brüder diese Weise 1531 für den mit der Reformation aufblühenden Gemeindegesang entdeckt hatten, übernahm sie Martin Luther wenige Jahre später. Ihre kraftvollen Linien im so genannten Dorisch regten unzählige Komponisten zu Vertonungen an. Die rein instrumentalen Fassungen sollen stets das von der Gemeinde gesprochene bzw. gesungene Gebet begleiten, niemals ersetzen. Für Choralvorspiele wie die reich kolorierte Version von Georg Böhm, bekanntlich einer der Lehrmeister Bachs in Lüneburg, oder Variationsreihen ist dies zum Beispiel im Rahmen der alternatim-Praxis gut vorstellbar. Kaum realisierbar ist dies für die Variationen und die Fuge von Mendelssohn, irreführend als Sonate betitelt. Wenngleich in seinen Variationen der cantus firmus gut erkennbar und das Fugenthema klar aus dem Kopfmotiv des Liedes gebildet ist, scheint hier doch eine gewisse „Bruchlinie“ zwischen liturgisch orientierter und konzertant aufgefasster Orgelmusik zu verlaufen. Oder sollte man dieses Phänomen als Synthese betrachten? – In seinem atypischen Finale verlässt Mendelssohn vollends das thematische Material und den Gestus der Choralmelodie; sein ruhig fließender Schlusssatz ist vielmehr ein Lied ohne Worte für die Orgel. Mit diesem Duktus weist es bereits in Richtung jener religiös inspirierten Charakterstücke, wie sie Camille Saint-Saëns oder Franz Liszt verfassten. 
Diese beiden Komponisten verband eine tiefe gegenseitige Bewunderung, so schreibt Saint-Saëns über Liszt: "Während ich schreibe, stelle ich mich wieder einmal im Haus von Gustave Doré vor, wie ich auf dieses bleiche Gesicht und diese Augen blicke, die alle Zuhörer faszinierten, unter seinen scheinbar gleichgültigen Händen, in einer wunderbaren Vielfalt von Nuancen, stöhnten und jammerten, murmelten und brüllten die Wellen der "Légende de Saint François de Paule marchant sur les flots!" Nie wieder wird es etwas Vergleichbares zu sehen oder zu hören geben.“ Und Liszt über Saint-Saëns: "Sie verwenden Ihre Orgel auf unglaubliche Weise als Orchester, wie es nur ein großartiger Komponist und ein großartiger Interpret wie Sie tun können. Die fähigsten Organisten aller Länder müssen vor Ihnen nur den Hut ziehen."
(Dr. Markus Zimmermann/Matthias Maierhofer)
 

Zum Interpreten
Peter Kofler
Der in Bozen geborene Organist und Cembalist Peter Kofler (*1979) erhielt seine erste musikalische Ausbildung am dortigen Konservatorium „Claudio Monteverdi“. In München studierte er Orgel und Kirchenmusik bei Harald Feller sowie Cembalo bei Christine Schornsheim.
Peter Kofler spielt unter namhaften Dirigenten wie Mariss Jansons, Franz Welser-Möst, Bernhard Haitink, Riccardo Muti, Daniel Harding, Esa-Pekka Salonen, Giovanni Antonini und Thomas Hengelbrock. Er ist Gründungsmitglied und Cembalist des Barockorchesters „L‘ Accademia Giocosa“.
Regelmäßig gastiert Peter Kofler bei großen internationalen Musikfestivals. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen u.a. Dorothee Oberlinger, Dmitry Sinkovsky, Ramón Ortega Quero und Gabor Tarkövi. Als Orgelsolist konzertierte der Künstler unter anderem in Notre-Dame de Paris, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern, im Mariinski-Theater St. Petersburg, im Berliner Dom, in der Berliner Philharmonie, im Wiener Stephansdom, in der Frauenkirche Dresden und in St. Michaelis Hamburg.
Seit August 2008 ist Peter Kofler als Organist an der Jesuitenkirche St. Michael in München tätig. Von der Stiftung Bücher-Dieckmeyer erhielt er den Förderpreis zur Pflege der Kirchenmusik in Bayern. Peter Kofler ist Initiator und künstlerischer Leiter des internationalen Orgelfestivals „Münchner Orgelherbst“ in St. Michael. Er wirkt zudem als Dozent für „Orgel“ und „Chorleitung“ an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Zwischen 2003 und 2014 war Peter Kofler als Korrepetitor und Assistent von Hansjörg Albrecht beim Münchener Bach-Chor tätig. Von 2007 bis 2010 leitete er den Klassikchor München.
CD- und Rundfunkproduktionen (ZDF, BR, RAI, Deutsche Grammophon, Sony Classical, Querstand, Raumklang, Tudor, OehmsClassics, Solo Musica) runden seine Künstlertätigkeit ab. Seine Orgel-CD mit „Transkriptionen“ wurde in der Presse mehrfach gelobt und für den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ nominiert.
Als Peter Koflers neues großes Projekt ist die Gesamteinspielung der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs an der Orgel der Jesuitenkirche in St. Michael geplant. Unter dem Namen „OpusBach“ sind bereits mehrere CD’s dieser Serie in der hochauflösenden Auro-3D Technik (10.1) erschienen. Die erste CD-Box wurde von der bekannten Musikzeitschrift „Gramophone“ mit dem „Editor’s Choice“ ausgezeichnet.
www.peterkofler.org