Konzert 5 - Christoph Schoener

Erleben Sie das fünfte Orgelkonzert am Dienstag, den 03.08.2021 um 20:15 Uhr mit Christoph Schoener (Hamburg). Programm hier online erhältlich.
Kartenvorverkauf erforderlich: online oder im c-punkt Münsterforum

Programm


 Johann Sebastian Bach (1685–1750)
„Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“, BWV 651

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788)
Variationen über Folie d’Espagne 

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Johann Sebastian Bach
Toccata D-Dur, BWV 912
(Orgelfassung Max Reger)

Johannes Brahms (1833–1897)
Variationen und Fuge über ein Thema von Händel  
(Orgelfassung Rachel Laurin, * 1961)
 
 

Zum Programm
Wie eine reich verzierte Initiale in einer illuminierten Handschrift steht die prächtige Pleno-Vertonung des Pfingstliedes „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ am Anfang jener Choralbearbeitungen, die Johann Sebastian Bach in seinen Leipziger Jahren zusammenstellte, in denen er dienstlich kaum an der Orgel zu tun hatte. Bereits die erste Zeile der leider nicht mehr im Gotteslob enthaltenen Melodie vermittelt in ihrem Gestus Größe und Weite. Dabei schwebt Gottes Geist nicht etwa entrückt über allem, sondern bildet in den Pfundnoten des Basses das verlässliche, erdverbundene Fundament des filigranen Oberstimmengeflechts. 

Selbst wenn der Begriff „Toccata“ fast alle musikalischen Ausdrucksmittel zulässt, so wirkt er für das Clavier-Stück BWV 912 eher wie eine Untertreibung: Staunt man schon darüber, wie viele bizarre Ideen Bach in dieses Werk im Stylus Phantasticus hineinpackte, so verblüfft noch mehr, wie Max Reger diese Einfälle in die vielen Ebenen eines quasi-Orchesterwerkes auffächert. Beide Schichten instrumentiert Christoph Schoener nun mit den Farben und Nuancen von vier im Raum verteilten Orgeln – phantasievolle Bearbeitung im doppelten Kontrapunkt sozusagen. 

Andere Komponisten der Barockzeit vertonten das auf der iberischen Halbinsel beliebte Tanz- und Melodie-Modell „La Folia“ (lärmendes Vergnügen, Verrücktheit) in gebundenen, sanglichen Variationsreihen. Carl Philipp Emanuel Bachs Zyklus wirkt dagegen unstet, zerklüfte und erinnert an eine Toccata. Die Grundgestalt des Themas ist mitunter kaum erkennbar – ver-rückt und zerstückelt. Dies verlangt vom Interpreten, Stauungen, Vorhalte, Pausen und Agogik so zu gestalten, dass der logische Fluss nicht leidet. Das Wichtigste am Sieb sind eben die Löcher – sprich, das, was und wie es hier zwischen den Tönen geschieht.

Am 11. Oktober 1861 schrieb Johannes Brahms an Clara Schumann, er habe ihr Variationen zu ihrem Geburtstag (13. September) gemacht, die sie noch immer nicht gehört habe und die sie schon längst für ihre Konzerte hätte einüben sollen. – Schon Georg Friedrich Händel entlockte dem triumphalen Thema in seiner B-Dur-Suite Variationen, die einiges an Fingerfertigkeit erfordern. Brahms steigert dies in die pianistische Virtuosität seiner Zeit und entfernt sich so weit von dem bisweilen nur noch im Bass erahnbaren Thema, dass die 25 Variationen zu eigenständigen Charakterstücken werden. 1878 erschien ein Arrangement für Klavier zu vier Händen. Die Orgelfassung der kanadischen Komponistin und Organistin Rachel Laurin fördert noch mehr der Rafinesse aus diesem monumentalen Zyklus zutage. Das Fugenthema entwickelte Brahms lediglich aus den ersten beiden aufsteigenden Noten des Händelschen Sujets.
(Dr. Markus Zimmermann)
 
 

Zum Interpreten
Christoph Schoener
Christoph Schoener zählt zu den renommiertesten Kirchenmusikern seiner Generation. Er wurde 1953 in Heidelberg geboren, in Freiburg, Paris und Amsterdam bei Ludwig Doerr, Gaston Litaize und Ewald Kooiman ausgebildet, und beendete sein Studium mit einem Solistendiplom an der Musikhochschule in Freiburg. Ausgezeichnet wurde er mit einem Stipendium der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ und einem „Premier Prix a l’unanimité“ zum Abschluss seines Orgelstudiums in Paris. 
Nach langjähriger Tätigkeit im Rheinland wurde er 1998 als Kirchenmusikdirektor an die Hauptkirche St. Michaelis – Hamburgs Wahrzeichen – berufen, wo er bis Ende 2019 wirkte.
Mit dem von ihm gegründeten Chor St. Michaelis führte er regelmäßig alle wesentlichen Werke für Chor und Orchester von Monteverdi bis Bernstein auf und setzte mit den jährlichen Aufführungen des Weihnachtsoratoriums, der Matthäuspassion von Bach und des Brahms-Requiems lange Hamburger Traditionen fort. Viele seiner Chorkonzerte wurden vom NDR mitgeschnitten und live gesendet. Mehrfach dirigierte er in der Hamburger Elbphilharmonie.

Als Organist konzertierte Christoph Schoener in vielen Kathedralen und Musikzentren in Europa, Israel, Südafrika und in den USA. Er war mehrfach ein gern gehörter Gast beim Schleswig-Holstein Musik Festival und an der Orgel der Hamburger Elbphilharmonie.  
Über zwanzig Jahre unterrichtete Christoph Schoener neben seiner kirchenmusikalischen Tätigkeit künstlerisches Orgelspiel an deutschen Musikhochschulen: In Freiburg, Heidelberg, Düsseldorf und zuletzt an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Häufig wird er als Juror bei internationalen Wettbewerben und Leiter von Masterklassen eingeladen. 

Zahlreiche CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen als Organist und Dirigent dokumentieren seinen künstlerischen Rang, die letzten fünf CDs veröffentlichte Christoph Schoener exklusiv beim Label MDG, zuletzt Klavierwerke von Mendelssohn und Brahms in Orgelfassungen, zuvor zwei Reger-CDs und sämtliche Bach-Toccaten für Orgel – eine Einspielung, die 2016 mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet wurde. 

Im Jahr 2018 erhielt er durch den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg den Ehrentitel Professor.