Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Praeludium in c, BWV 546/1
„An Wasserflüssen Babylon” à 2 Clav. et Ped. BWV 653
Fuga in c, BWV 546/2
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Jehan Alain (1911-1940)
Première Fantaisie (1933)
Deuxième Fantaisie (1936)
Charles-Marie Widor (1844-1937)
Symphonie VI op. 42 Nr. 2
Allegro
Adagio
Intermezzo
Cantabile
Finale
Zum Programm
Die Komposition der Symphonie VI von Charles-Marie Widor dürfte unmittelbar durch die bevorstehende Einweihung der neuen Cavaillé-Coll-Orgel im Großen Saal des Palais du Trocadéro in Paris veranlasst worden sein: Am 24. August 1878 gab Widor während der Pariser Weltausstellung an dem neuen Instrument ein Konzert, in dessen Rahmen er die Symphonie erstmals – im Programm allerdings noch als „5me Symphonie“ bezeichnet – aufführte.
Das eröffnende Allegro der Symphonie VI zeigt Widor auf der Höhe seiner kompositorischen Meisterschaft und verbindet auf brillante Weise Sonatenhauptsatzform und Variationssatz. Auf das majestätisch-choralartige erste Thema folgt ein Rezitativabschnitt, der im Verlauf des Satzes auf verschiedene Weise mit dem Choralthema kombiniert wird und so immer mehr zu einer Art Seitenthema wird.
Im August 1876 erlebte Widor in Bayreuth die Premiere von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Wie Albert Schweitzer überliefert, ist das Adagio in H-Dur unter dem Eindruck dieser Aufführung entstanden. Vokal empfundene Melodik und sinnliche Chromatik zeichnen den dreiteiligen Satz aus, was durch die Ausgangsregistrierung mit „Gambes et Voix célestes“ noch unterstrichen wird. Nach dem spannungsreichen Mittelteil erklingt das Adagio-Thema in der Reprise mit der Flûte 8’.
Das im Geist Robert Schumanns komponierte dreiteilige Intermezzo in g-Moll nimmt die Position des Scherzos ein. Von aparter Wirkung ist die an das Grand Jeu der klassischen französischen Orgel anklingende Registrierung „Anches et cornets de 4 et de 8“. Der ruhiger gehaltene, kanonisch gearbeitete Mittelteil in Es-Dur übernimmt die Funktion des Trios, bevor der erste Teil unverändert wiederholt wird und in G-Dur schließt.
Im Cantabile zeigt sich Widors melodische Erfindungsgabe. Das elegante Hauptthema in Des-Dur ist von beträchtlicher Länge und tritt nur zweimal vollständig auf. Es wird auf dem Récit mit Hautbois vorgestellt; nach einem kurzen Mittelteil erklingt es ein zweites Mal, nun über fließenden Sextolen mit der Trompette des Récit. Die ruhige Coda bringt eine letzte Reminiszenz an das Thema mit der Flûte 8’, wobei auch in der Begleitung Motive daraus anklingen.
Das Finale, ein Sonatenrondo, ist durch zwei thematische Hauptideen bestimmt, wobei das erste Thema von kraftvollen Akkorden, das zweite durch Ketten verminderter Quarten geprägt ist. Die thematische Entwicklung des Stücks stützt sich hauptsächlich auf die zweite Idee, bevor die Reprise noch einmal thematisches Material des Beginns verarbeitet und zur stürmischen Coda überleitet. (Georg Koch)
Zum Interpreten
Seit 1995 ist Georg Koch Bezirkskantor mit Dienstsitz in der Seelsorgeeinheit Singen. Er studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule Freiburg und wirkte zunächst an der Pfarrkirche St. Martin in Riegel am Kaiserstuhl und anschließend an der Pfarrkirche St. Bonifatius in Lörrach.
Neben der musikalischen Gestaltung der Liturgie und Konzertorganisation in den Kirchen der eigenen Seelsorgeeinheit konzertiert er weltweit.
In der C-Ausbildung für nebenberufliche Kirchenmusiker beim Amt für Kirchenmusik Freiburg leitet er den C-Kurs in Singen und ist bei den Intensivkursen Dozent für Musikgeschichte.
Als erzbischöflicher Orgelinspektor kümmert er sich um die Orgeln am Bodensee, in Hohenzollern und in der Stadt Freiburg.
2018 wurde er für sein künstlerisches Wirken vom Kulturförderkreis Singen-Hegau ausgezeichnet. Im Oktober 2019 wurde er von Erzbischof Stephan Burger zum Kirchenmusikdirektor ernannt.
Außerdem ist er Herausgeber zahlreicher Neueditionen beim Carus-Verlag. Derzeit arbeitet er an einer Neuausgabe der Orgelwerke von Charles-Marie Widor.