Programm
Hans Leo Haßler (1564-1612)
Canzon in d
Johann Kaspar Kerll (1627-1693)
Passacaglia in d
Hans Leo Haßler (1564-1612)
Nun freut euch lieben Christen gmein
Johann Kaspar Kerll (1627-1693)
Capriccio Cucu
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Johannes Mayr (1963)
Improvisationen in verschiedenen Stilen und Formen
Zum Programm
"Musicus inter Germanos sua aetate summus.“
Hans Leo Haßler, der von seinen Zeitgenossen als "größter deutscher Musiker seiner Zeit" bezeichnet wurde, erhielt seine Ausbildung in Venedig, wo er bei Andrea Gabrieli studierte und sich mit Giovanni Gabrieli anfreundete. Haßler war ein ungemein vielseitiger und hochgebildeter Musiker, der sowohl im Stil der Polyphonie der Renaissance wie auch im Stil der frühbarocken venezianischen Mehrchörigkeit komponierte. Auch schlichte Liedformen wie „Mein Gmüth ist mir verwirret“, was später zu „O Haupt voll Blut und Wunden“ wurde, sind von Haßler in meisterhafter- und gleichzeitig schlichter Form überliefert.
Als Organist wirkte er am Hof der Fugger in Augsburg, der Frauenkirche Nürnberg und später als Kammerorganist des Kurfürsten von Sachsen in Dresden.
Eine Generation später prägte Johann Caspar Kerll den süddeutschen Musikgeschmack entscheidend mit: Ausgebildet in Wien und Rom, vermutlich bei Carissimi und Froberger, besetzte er als Leiter der Münchner Hofkapelle und später als Hoforganist am Habsburger Hof und Domorganist am Wiener Stephansdom einige der wichtigsten Positionen im österreichisch-süddeutschen Raum. Seine Orgelmusik ist stark von italienischen Einflüssen inspiriert und bringt die virtuos-manierierte Orgelmusik im barocken süddeutschen Raum an ihren Höhepunkt.
Seine Bedeutung und Anerkennung als Musiker wurde 1664 in besonderer Weise ausgedrückt, als er von Kaiser Leopold I in den Ritterstand erhoben wurde.
(Matthias Maierhofer)
Zum Interpreten
Johannes Mayr (geboren 1963) studierte 1981-1987 katholische Kirchenmusik in Stuttgart, u. a. bei Rudolf Walter, Ludger Lohmann und Willibald Bezler. 1990-2001 wirkte er als hauptamtlicher Kirchenmusiker mit Dekanatsauftrag in Bad Wurzach, 2001 bis 2011 in Stuttgart (St. Fidelis), dort ab 2004 als Regionalkantor. Von 1992 bis 2007 war er als Lehrbeauftragter für liturgisches Orgelspiel/Orgelimprovisation in Augsburg (Leopold-Mozart-Konservatorium/ Musikhochschule Nürnberg-Augsburg) tätig. Seit 2004 nimmt er einen Lehrauftrag an der Tübinger Hochschule für Kirchenmusik für Orgelliteraturspiel und Liturgisches Orgelspiel wahr. Seit 2009 lehrt er Orgelimprovisation an der Stuttgarter Musikhochschule. Seit 2011 ist er Domorganist an der Konkathedrale St. Eberhard Stuttgart.
Als Orgelsachverständiger ist er seit 1991 für die Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig. Seine jahrelangen Forschungen insbesondere zur oberschwäbischen Orgellandschaft haben in mehreren Buchpublikationen ihren Niederschlag gefunden.
Als Orgelimprovisator erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Er war Preisträger beim Wettbewerb "Orgelspiel im Gottesdienst" in Rottenburg (1988), beim Südwestfunk-Orgelimprovisationswettbewerb und beim Internationalen Orgel-Improvisationswettbewerb zu zeitgenössischer Kunst "Wandlung der Formen" in Regensburg (jeweils 1998). Erste Preise erhielt er beim Europäischen Orgelimprovisationswettbewerb in Schwäbisch Gmünd (1989), beim Internationalen Orgelimprovisationswettbewerb in Montbrison/Frankreich 1991 und beim Internationalen Orgelwettbewerb "Orgel ohne Grenzen" in Dudelange/Luxemburg 2009.