Orgelkonzert in St. Martin
Im Rahmen der Reihe "Mit Bach durch die Regio" spielt der international bekannte Titularorganist von Notre-Dame de Paris, Vincent Dubois, ein Konzert an Christi Himmelfahrt (26.5.22) um 17 Uhr an der neuen Klais-Thomas-Orgel in St. Martin.
Bach und Franck
Vincent Dubois (Paris / Strasbourg / Freiburg)
Donnerstag, 26.5.22 - 17 Uhr
Programm:
Praeludium und Fuge Es-Dur, BWV 552
Choraltrio „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend‘“, BWV 655
aus: Achtzehn Choräle von verschiedener Art
(„Leipziger Choräle“)
Praeludium und Fuge e-Moll, BWV 548
César Franck (1822-1890)
Prière, op. 20
Chorale Nr. 3, a-Moll
Vincent Dubois (* 1980)
Improvisation
Zum Programm:
Auch César Franck befasste sich intensiv mit der Musik Johann Sebastian Bachs und führte dessen Orgelwerke auf. Doch konnten die Erfahrungswelten beider großer Komponisten kaum unterschiedlicher sein, etwa in der Auffassung des Begriffs „Choral“: In der mitteldeutschen Kantorentradition steht er für das protestantische Kirchenlied. César Franck hingegen rezipierte die lateinische Choralpflege der katholischen Liturgie; darüber hinaus prägte ihn das vom Bürgertum dominierte Musikleben im Frankreich des 19. Jahrhunderts in Salons und Konzertsälen. Franck brachte aufgrund seiner Bach-Pflege verstärkt kontrapunktische Elemente in die auf Harmonik ausgerichtete Musik seiner Zeit ein und bediente sich klassischer Satztypen wie Praeludium und Fuge. Dennoch entziehen sich seine Werke weitgehend jenen Betrachtungsmethoden, die man für Barockmusik anwenden würde; Melodieführung sowie Klang- und Raumwirkung treten bei Franck stärker in den Vordergrund.
Dies zeigt der Blick auf die 1860 entstandene Prière (Andacht), die César Franck seinem Lehrer, „Maître François Benoist“ widmete. Es handelt sich dabei um ein durchkomponiertes Stück, das als persönlicher Gottesdienst die Klänge einer „Andacht ohne Worte“ entfaltet. Nach einer manualiter-Einleitung „zündet“ der Achtelauftakt im Pedal einen neuen Themenkomplex. Fortan wird zwischen Solo und Mehrstimmigkeit alterniert, vergleichbar dem Wechsel zwischen Vorsänger und Chor in einer Litanei. Im weiteren Verlauf wird hierzu eine Cantilene mit Echowirkungen verwendet, bevor in einem reprisenartigen Schluss das bisherige musikalische Material rhythmisch und dynamisch gesteigert wird. – César Franck hatte stets auch all jene Organisten im Blick, die zum Teil am Harmonium Dienst taten. Deshalb richtete er viele seiner frühen Werke für beide Instrumente ein. Auch Prière reicht in der homophonen Satzweise und den grundtönigen Registrierungen nahe an den Klang eines großen Kunstharmoniums heran.
Die drei Choräle aus dem Spätwerk sind in breiter Dynamik, Registrierung und ausladendem Gestus auf die sinfonische Orgel zugeschnitten, wie sie Aristide Cavaillé-Coll entwickelt und an Francks Dienstorgel in der Basilika Sainte-Clotilde realisiert hatte. Dennoch bilden sie in ihrer Wirkung – man stelle sich eine von Weihrauch erfüllte Kathedrale im Halbdunkel vor – gleichsam Vergrößerungen der Prière. Das Laufwerk in den Rahmenteilen erinnert an Bachs a-Moll-Praeludium. Die folgenden modalen Themen sind dem Gregorianischen Choral nachempfunden, jedoch im Gewand hochromantischer Harmonisierung. Kontrastierend hierzu ist die abwärts gerichtete Melodie im Mittelteil (Trompetensolo) angelegt.
(Dr. Markus Zimmermann)
(Dr. Markus Zimmermann)









