Chamadenwerk

Das neue Chamadenwerk im Münster ist vollendet und abgenommen worden. Ermöglicht hat diese Novität eine großzügige Zuwendung der Gertrud-Rösch-Stiftung.

 
Zur Vervollständigung der Klangfarben der vier Münsterorgeln wurde schon vor vielen Jahren unter der Amtszeit des damaligen Domorganisten Professor Ludwig Doerr der Einbau von drei besonders markanten Registern vorgesehen, sogenannte Chamaden. Es handelt sich dabei um auch optisch sehr spektakuläre Zungenregister in 16‘, 8‘ und 4‘ Länge, was klanglich der Basslage, der Normallage und der Sopranlage entspricht. Die Fanfarenregister aus der Familie der Trompeten sind dabei horizontal (frz. „en chamade“) angeordnet und sprechen mit einem besonders obertonreichen schmetternden Klang, der im vollen Orgelwerk noch merklich hörbar ist, direkt in den Raum. Dieser Klangeffekt ist besonderen Situationen vorbehalten, etwa in der Liturgie einem festlichen Ein- oder Auszug, oder im Konzert wohldosiert in Finalsätzen von Orgelmusik entsprechender Stilistik. Ursprünglich stammen die ebenso als „Spanische Trompeten“ benannten Register von der iberischen Halbinsel, wurden aber dann später auch vielfach im französisch-romantischen Orgelbau von Orgelbauern wie beispielsweise Aristide Cavaillé-Coll disponiert und gebaut. Große Orgelanlagen der Neuzeit haben solche Register häufiger in ihrem Fundus.
 
Dieses Vorhaben konnte jedoch nie in die Wirklichkeit umgesetzt werden, ging es doch zunächst vielmehr darum, die überkommene große Orgelanlage der 1960-er Jahre grundlegend zu überarbeiten und in die Zukunft zu führen. So wurde die Marienorgel umfassend renoviert und neu intoniert, die Langschifforgel unter Erhalt aller Originalsubstanz ausgereinigt, die Michaelsorgel, sowie die Chororgel durch neue Instrumente ersetzt. Im Neubau der Michaelsorgel wurden 2008 bereits die grundlegenden Ideen von Ludwig Doerrs "Bombardenwerk" der 1980-er Jahre integriert.
 
Nichtsdestotrotz bestand weiterhin der Wunsch, eines Tages das Chamadenwerk einfügen zu können, um die Klangfarben zu ergänzen. Seit 2019 waren die Schalter hierfür am Hauptspieltisch vorbereitet. Im Münster eignet sich als Standort für die Chamaden besonders die Michaelsorgel auf der Westempore des Münsters, da von dort aus die volle Länge des Kirchenschiffs klanglich erreicht werden kann. Durch die weit oben im Raum angeordnete Position ergibt sich ein angenehm hörbarer Effekt mit entsprechendem Nachhall.
 
Der Stiftungsrat der Gertrud-Rösch-Stiftung hat sich die Finanzierung dieses großen Projekts zu eigen gemacht und konnte dem Münsterfabrikfonds dieses großartige Projekt ermöglichen. Gertrud Rösch hatte zu Lebzeiten für ihren Nachlass vorgesehen, dass eine eigenständige gemeinnützige Stiftung für das Freiburger Münster gegründet würde. Nach Röschs Tod im Jahr 2017 konnte die so entstandene Stiftung dann durch ihre Unterstützung mittlerweile zahlreiche Projekte am Münster in die Realität umsetzen. Die Zeit ihres Lebens sehr an der Musik interessierte Gertrud Rösch hätte es sicher sehr gefreut, das Chamadenwerk entstehen zu sehen und es zu hören.
 
Der Münsterfabrikfonds bedankt sich herzlich bei der Gertrud-Rösch-Stiftung und ihren Vorständen Peter Knors, Wolfgang Engler und Philipp Danner für die großzügige Förderung und das uns entgegengebrachte Vertrauen. Das Chamadenwerk möge vielfach die Klänge im Münster bereichern und uns immer wieder an die Großherzigkeit Gertrud Röschs erinnern. Möge es viele Nachahmer*innen geben!