Orgelkonzert 15 - Matthias Maierhofer

Dienstag, 27.09. - 20.15 Uhr

Prof. Matthias Maierhofer gibt sein Freiburger Debut-Konzert an den Münsterorgeln in der Reihe der Internationalen Orgelkonzerte.

Programm:
 
Girolamo Frescobaldi 1583–1643
Toccata quinta per l‘organo i pedali, e senza (il secondo libro di toccate)

Louis Marchand 1669–1732
Tierce en taille du 1er ton
 
Dieterich Buxtehude um 1637–1707
Passacaglia d-Moll BuxWV 161
 
Hans Leo Hassler 1564–1612
Canzona in g
 
Johann Sebastian Bach 1685–1750
Passacaglia c-Moll BWV 582
 
Toshio Hosokawa *1955
Cloudscape

Max Reger 1873–1916
Phantasie und Fuge in d-Moll op. 135 b (Erstfassung)
 
 
Klang-Landschaften

Das barocke Konzert an der Schwalbennestorgel führt uns durch europäische Orgel-Landschaften. Bach hat sie im Geist alle bereist, zu Fuß jedoch nur gen Norden, als er mit kaum 20 Jahren einen mehrmonatigen »Meisterkurs« bei Buxtehude in Lübeck absolviert hat. Durch Notendrucke und Abschriften kannte er zentrale Werke, auch Musik von Frescobaldi, der am Petersdom als Organist des Papstes gewirkt hat. Mit Marchand, dem Organisten des französischen Sonnenkönigs, wollte Bach in ein »musikalisches Duell« eintreten, dem sein Kontrahent sich aber vorzeitig durch Flucht entzogen hat. Vokalwerke Hasslers, der in Augsburg, Ulm und Dresden gewirkt hat, waren Bach aus dem Repertoire der Leipziger Thomaner bestens vertraut. In Weimar entstand um 1712 Bachs große Passacaglia c-Moll mit 20 Variationen. Das Thema erinnert an Buxtehude, begegnet uns aber auch schon im »Christe eleison« einer Orgelmesse von André Raison aus dessen erstem »Livre d’Orgue«. Werke wie diese monumentale Passacaglia waren es, die Albert Schweitzer dazu veranlassten, in Bach einen musikalischen Architekten zu sehen. Dessen kontrapunktischen Kosmos zeigt insbesondere die Fuge, die das Passacaglia-Thema mit zwei Gegenthemen verknüpft. In ganz andere, nun fernöstliche Gefilde führt uns Toshio Hosokawa. Die Orgel wird zum Orchester! Aber nicht zum Barockorchester wie bei Bach oder zum romantischen Klangkörper wie bei Reger. Wir hören ein japanisches Gagaku-Orchester, denn in »Cloudscape« spielt die Orgel »die Rolle der Sho, einer japanischen Mundorgel, die zum Gagaku-Instrumentarium gehört.
Max Regers monumentales Opus 135b aus dem Jahr 1915, seinem vorletzten Lebensjahr, ist »Meister Richard Strauss in besonderer Verehrung« gewidmet. Was dem Komponisten vorschwebte, war ein »Orgelwerk größten Styls – aber nicht zu lang«. Die letzte Bemerkung spiegelt sich gleichsam in der Problematik zweier Fassungen, einer längeren und einer vom Komponisten selbst gekürzten, von denen wir die erste hören. Innere Landschaften tun sich auf, in denen die persönliche Zerrissenheit Regers ebenso erahnbar wird wie die gesellschaftliche Situation nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Zwei Wochen vor seinem Tod schreibt Max Reger in einem Brief: »Jetzt werde ich erst meine großen Kompositionspläne verwirklichen.« Dazu kam es nicht mehr. Vielmehr wurde op. 135b – in der Spannung von Lebenslust und Weltabschied – sein Orgel-Vermächtnis. (Meinrad Walter)
 
 
Matthias Maierhofer
* 1979 in Graz (Österreich)
ist Professor für Orgel an der Musikhochschule Freiburg und Domorganist am Freiburger Münster. Er studierte Orgel-, Alte Musik und Kirchenmusik an den Hochschulen von Graz, Freiburg, Leipzig und an der Schola Cantorum Baseliensis u. a. bei Arvid Gast, Andrea Marcon, Kurt Neuhauser und Martin Schmeding. 2007 konnte Matthias Maierhofer mit dem »Pachelbel-Wettbewerb« von Nürnberg einen der renommiertesten internationalen Orgelwettbewerbe gewinnen. Außerdem war er Preisträger beim »Internationalen Franz Schmidt-Orgelwettbewerb« in Kitzbühel 2008, beim »Internationalen Bachwettbewerb Arnstadt« 2007, beim »Internationalen Orgelconcours Nijmegen« 2006 sowie beim »Internationalen Orgelwettbewerb M.K.Ciurlionis« in Vilnius 2003. Er war Stipendiat der Kunst- und Kulturförderung des Landes Steiermark. Eine rege Konzerttätigkeit führte ihn zu bedeutenden Festivals in Europa, den USA, Japan und Südkorea.
Als Solist und auch als Continuospieler trat Matthias Maierhofer mit Ensembles wie dem Dresdner Kreuzchor, dem Thomanerchor Leipzig, dem Gewandhauschor Leipzig, der Staatskapelle Dresden, der Staatskapelle Halle und dem Pauliner Barockorchester auf. Er wirkte bei Publikationen der Edition Helbling mit und es liegen Aufnahmen von seinen Konzerten bei diversen Rundfunkanstalten und CD-Labels vor.
Von 2009 bis 2013 leitete er eine Orgelklasse an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig. 2013 wurde Matthias Maierhofer als Nachfolger von Prof. Dr. Gerre Hancock auf die Professur für Orgel und Kirchenmusik an der University of Texas in Austin (USA) berufen. Dort wurde er 2015 aufgrund herausragender pädagogischer Leistungen zum Dean‘s Fellow ernannt und mit dem Ducloux Fellowship des College of Fine Arts
ausgezeichnet.
Zum Sommersemester 2016 folgte er einem Ruf an die Musikhochschule Freiburg und wurde zudem zum Domorganisten des Freiburger Münsters ernannt.